Die Anreise war allerdings zunächst eine Katastrophe. Wegen einer Streckensperrung nach einem Zugunglück beziehungsweise einer Person, die von einem Zug erfasst worden sein soll, war die ursprüngliche Verbindung komplett für die Tonne. Ich fuhr erst einmal alleine nach Bonn, um dort meinen Kumpel zu treffen. Da kam schon der Gedanke auf: „Scheiße, schaffen wir das Spiel überhaupt noch?“
Zum Glück fanden wir schließlich eine Verbindung über Köln. Von dort ging es mit dem RB27 nach Mönchengladbach und weiter nach Kaldenkirchen. Bis dahin lief alles wieder problemlos. In Kaldenkirchen wartete allerdings der nächste Spaß: Schienenersatzverkehr nach Venlo.
Die Bushaltestelle war gefühlt kilometerweit vom Bahnhof entfernt und zunächst überhaupt nicht zu finden. Wir standen erst einmal ziemlich ratlos da. Zum Glück kamen uns irgendwann Leute mit Gepäckkoffern entgegen. Wir fragten sie nach der Bushaltestelle und sie konnten uns tatsächlich den richtigen Weg zeigen. In diesem Moment waren wir einfach nur dankbar, denn wir hatten wirklich keinen Plan, wo diese verdammte Haltestelle sein sollte.
Irgendwann saßen wir dann im Bus und kamen schließlich in Venlo an. Dort war der ganze Reisestress sofort vergessen. Erst einmal gab es in der Innenstadt Kibbeling mit Pommes und anschließend ein Bier in einer Gaststätte. Danach ging es entspannt zu Fuß Richtung Stadion.
Schon am Stadioneingang herrschte eine geile Atmosphäre. Eine Kapelle spielte und sorgte direkt für Stimmung. Auf dem Weg zum Stadion entdeckte ich außerdem wieder mehrere Fortuna-Köln-Aufkleber – mindestens fünf Laternen waren damit beklebt. Vermutlich noch Überbleibsel von unserem letzten Besuch.
Im Stadion war die Hütte dann richtig voll. Ausverkauft, 8.000 Leute und eine starke Kulisse von beiden Seiten. Vor dem Spiel gab es zunächst eine Schweigeminute für den ehemaligen VVV-Spieler Ahmed Ammi, der kürzlich verstorben war. Danach konnte das Derby beginnen.
Roda war mit seinen Freunden aus Aachen angereist, während VVV Venlo Unterstützung aus Uerdingen hatte. Die Fanfreundschaft mit dem KFC Uerdingen war durch zahlreiche entsprechende Shirts deutlich zu erkennen.
Die erste Halbzeit war auf dem Platz eher taktisch geprägt. VVV hatte zunächst mehr vom Spiel und die besseren Ansätze, große Chancen gab es aber auf beiden Seiten kaum. Gino Schmidt hatte nach rund 22 Minuten die erste gute Möglichkeit, scheiterte aber an Roda-Torwart Justin Treichel. Mit 0:0 ging es schließlich in die Halbzeit.
Nach der Pause wurde es dann interessanter. In der 53. Minute bebte De Koel: Raf Vullers hatte auf der rechten Seite Platz und schlug eine starke Flanke in den Strafraum. Gino Schmidt setzte sich gegen seinen Gegenspieler durch und köpfte zum 1:0 für VVV ein. Die Hütte explodierte.
Roda musste jetzt mehr machen und kam tatsächlich zu Möglichkeiten. In der 59. Minute verhinderte VVV-Torwart Youri Schoonderwaldt mit einer starken Parade den schnellen Ausgleich. Wenig später hatte Venlo dann Glück, als ein Abschluss von Sander van de Berg nur am Pfosten landete.
Damit blieb es spannend. VVV hatte sogar die Chance, frühzeitig alles klarzumachen, doch Amir Rais vergab in der 73. Minute eine große Möglichkeit. Roda drängte in der Schlussphase weiter auf den Ausgleich, aber die Venloer Defensive hielt stand.
Und dann kam die Nachspielzeit.
In der ersten Minute der Nachspielzeit legte Ismail Oulad M’Hand den Ball perfekt für Amir Rais auf. Diesmal blieb Rais eiskalt und schob zum 2:0 ein. Damit war die Partie endgültig entschieden und im ausverkauften De Koel konnte die große Feier beginnen.
Nach dem Schlusspfiff wurden die Gäste aus Kerkrade von den Venlo-Fans noch mit einem „Auf Wiedersehen“ verabschiedet.
Für uns ging es anschließend noch ins Vereinsheim von VVV. Die Bierpreise waren ungefähr auf Stadionniveau, aber die Location war richtig cool und noch gut besucht. Dort trafen wir noch einige Groundhopper und standen mit verschiedenen Leuten zusammen. Es wurde über den Spieltag, vergangene Touren und natürlich Fußball allgemein gequatscht.
Besonders schön war für mich ein kleines Déjà-vu: Wie schon bei meinem letzten Besuch mit Fortuna Köln wurden auch diesmal Frikandeln verteilt. Ich erzählte, dass ich damals ebenfalls mit Fortuna da war – und tatsächlich konnten sich die Leute noch daran erinnern. „Schön, dass ihr wieder da seid“, hieß es. Solche Momente machen einen Verein einfach sympathisch.
Ein Thema fand ich an diesem Tag allerdings schade: Ein Venlo-Fan erzählte mir, dass De Koel möglicherweise in den kommenden Jahren abgerissen und durch ein neues Stadion ersetzt werden soll. Das würde ich persönlich wirklich traurig finden. Dieses alte Stadion hat einen unglaublichen Charme und genau dieses Oldschool-Gefühl macht einen Besuch in Venlo für mich so besonders.
Wenn irgendwann beispielsweise das Südstadion bei Fortuna Köln verschwinden würde, würde mich das genauso treffen. Solche Stadien sind schließlich nicht einfach nur Gebäude, sondern ein Teil der Geschichte und Identität eines Vereins.
Für mich war es bereits der dritte Besuch in De Koel – und wieder hat es sich absolut gelohnt. VVV Venlo ist unglaublich gastfreundlich, die Stimmung war stark, das Bier gut und das Essen sowieso.
Ob Fußball, Kibbeling, Bratwurst, Kaffee oder einfach ein bisschen Shopping: Venlo ist immer eine Reise wert.
Und vielleicht gibt es ja irgendwann wieder ein Testspiel zwischen VVV Venlo und Fortuna Köln. Darüber würde ich mich definitiv freuen.
Ein geiler Tag mit gutem Bier, gutem Essen, einem schönen Oldschool-Stadion und einer starken Fußballatmosphäre. Venlo – immer wieder gerne!
| Torjubel zum 1:0 von der Trainerbank von VVV Venlo |





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